Thema Land



Gemälde Baumwollernte von Rudolf Khachatrian

Nach einem Programm zum Thema Fliegen/Luft im Jahr 2009 +2010, zum Thema Wasser im Jahr 2012/2013 Zeit arbeitet die Bremer Chorwerkstatt jetzt an einem Programm zum Thema Land.
Hier wollen wir zum Thema Missbrauch, Schädigung und Zerstörung der natürlichen Ressource "Land" durch den Menschen Lieder und Texte zu Gehör bringen, die diesen Missbrauch anprangern. Es sollen aber auch Lieder zu hören sein, welche die Schönheit und den ökologischen Wert dieser Lebensquelle besingen
Einige dieser Lieder werden wir bereits in einem Werkstattkonzert am 29. Mai 2016 aufführen..

Boden erscheint uns selbstverständlich, er ist einfach da. Aber in einer Handvoll Humus leben z.B. mehr Mikroorganismen als Menschen auf der Erde. Unter einem Hektar Fläche (100x100 Meter) leben 15 Tonnen Bodenlebewesen, dies entspricht einem Gewicht von 20 Kühen. Humus speichert auch Nährstoffe und Wasser und enthält Kohlenstoff, den zuvor auf ihm wachsende Pflanzen aus der Luft aufgenommen haben. Im Humus ist fast dreimal mehr Kohlenstoff gebunden als in der gesamten lebenden Biomasse.

Die intelligente Nutzung von Boden und Pflanzen steht am Beginn der Menschheitsgeschichte. Weiterentwicklungen zur Verbesserung der Bodennutzung und Nutzbarkeit von Pflanzen sind die Basis für die Entwicklung unserer Zivilisation.

Das Land und seine Nutzung haben Geschichte, Politik und Kultur der Völker geprägt. Die Formen der Nutzung von und der Verfügung über Land haben Gesellschaften geformt - oft auch verformt. Wer den Boden besitzt, dem gehört die Zukunft - um Land wurde gekämpft, die grossen Kriege waren stets auch Kriege um Land. Noch im 20. Jahrhundert sicherten sich Nationalstaaten diese mit Waffengewalt.

Dann übernahm das Geld die Rolle der Waffen. Mit zunehmender Lieberalisierung und Globalisierung des Agrarhandels seit den 80er Jahren schlug die Stunde der grossen Agrar-Handelsunternehmen. Wir kennen nur die Lebensmittel-Multis wie Nestle, Kraft und Unilever, die uns ihre Produkte direkt verkaufen. Die riesigen Agrarproduzenten bleiben dagegen fast anonym, sie wickeln ihre Geschäfte lieber diskret ab.

Landknappheit wird auf diese Weise ausgelagert. Man kauft sich jenseits der Grenzen die Flächen, die benötigt werden, gleichgültig welche Veränderungen das vor Ort auslöst. Land, eigentlich immobil; ist damit zu flexiblen Produktionsfaktoren geworden.

Gleichzeitig wird das Ackerland immer rarer. Jedes Jahr gehen etwa zehn Millionen Hektar Agrarfläche durch Erosion verloren, weil die industrielle Landwirtschaft immer weniger Bäume und Sträucher als Windschutz wachsen lässt und weil in den riesigen Monokulturen auch Wasser leichtes Spiel hat, die Krume wegzuschwemmen.

Die Neubildung einer zwei Zentimeter starken Humusschicht für einen fruchtbaren Acker dauert 500 Jahre.

Der Verlust der Agrarfläche wird durch Rodung von Wäldern und Steppen kompensiert. Von 1961 bis 2007 weiteten sich die Ackerflächen der Welt bereits um elf Prozent (150 Millionen Hektar). Wüchse die heutige Nachfrage nach Agrarprodukten unverändert weiter, müssten bis 2050 rund 500 Millionen Hektar neues Ackerland erschlossen werden - das ist mehr, als Indien Fläche hat. Aber soviel Fläche steht gar nicht mehr verfügbar. Parallel zur wachsenden globalen Ungleichheit an Vermögen, Einkommen und Bildung steigt auch die Ungleichheit an Verfügbarkeit von landwirtschaftlicher Fläche.

Und die Ungleichheit wird noch grösser: Im Jahr 2050, so schätzen die Forscher der Heinrich Böll Stiftung, werden die Bewohner der Industriestaaten immer noch 0,4 Hektar nutzen können, für einen Durchschnittsmenschen überall anders auf der Welt müssen dann 0,1 Hektar reichen.